Fivefingers x-trem..

Echt jetzt? Mit Barfuß-Zehenschuhen?..

Die Nacht war dank des Sechsbettzimmers und angenehmen Zimmerkameraden schön ruhig und wir haben bestens geschlafen!
Die meisten der wenigen anderen Wanderer sind schon weg, als wir uns das Wasser für Kaffee und Müsli kochen. Aber wir haben es nicht eilig, da wir heute nur bis zum Refuge de Manganu wollen – eine nicht all zu anstrengende Tour mit gleichmäßig moderatem Anstieg.
Wir lassen uns das Frühstück schmecken, packen ganz entspannt unsere in der Zwischenzeit wieder trockenen Klamotten in die Rucksäcke und verabschieden uns von der freundlichen(!!) Hüttencrew.

Schnell in die Fivefingers geschlüpft und schon kann es los gehen. Eine ideale Tour für den Einstieg mit Zehenschuhen und viel Gepäck. Sonst bei den Feierabend- oder Wochenendtouren eher mit 4 bis 6 kg unterwegs, waren wir gespannt auf das Gehen mit mehr Gepäck. Aber was sollen wir sagen?! Es funktioniert super! Kein Umknicken oder sonstiges Problem mit dem Halt.
Wir verwenden aber etwas mehr Energie darauf, nicht auf all zu spitze Steine zu treten, denn die spürt man natürlich schon ordentlich durch die dünne Sohle!
Und da noch alle Wege richtig nass sind, bzw. unter Wasser stehen, laufen wir andauernd im Nassen. Immer wieder kommt ein neuer Schwall Kälte an die Füße. Auch wenn es bei Kälte ohne Nässe bisher nie ein Problem war – in diesem Fall bekommen wir auf Dauer die Füße nicht warm!
Nach guten 2 Stunden in den Fivefingers entschließen wir, unsere konventionellen Schuhe wieder an zu ziehen. Nicht unbedingt wegen der Kälte, eher wegen der andauernden Nässe – da hatte ich schon mal richtig Probleme wegen.. Nach stundenlangem Laufen in nassen Schuhen hatte ich sowas ähnliches wie nen Grabenfuß gehabt. Nicht schön. Damals musste ich und meine nette Begleiterin eine knapp 24-Stündige Zwangspause einlegen.

Hatte ich schon erwähnt, dass es heute nicht geregnet hat? Also bis jetzt zumindest nicht?! Das ist echt angenehm!

Am Zusammenfluss mehrerer Flüsschen nahe der Bergerie de Vaccaghia machen wir eine Pause, da die Sonne endlich wieder mal durch die Wolken bricht.
Fantastische Gumpen, die bei Wärme, Sonne und eventuell etwas weniger reißendem Wasser sicher zum Baden einladen würden 😉 Wir können nur den Anblick genießen und gönnen uns ein Stamperl Whisky dazu 🙂
Und, wer hätte es gedacht: Es fängt wieder an zu schiffen. Und fieser Nebel zieht auf!

In Regenjacken und Regenröcke gekleidet stapfen wir fast Blind über die Hochebene – der Nebel ist so dicht, daß wir die Markierungen nicht mehr erkennen können. Durch die Wegführung über Wiesen bzw. ein Wirrwarr verschiedener kleiner Pfade, haben wir es wirklich nicht leicht auf der Spur zu bleiben 😉 Die genauen Landkarten auf dem Smartphone (Kartenprogramm Locus) sind zwar schön und gut, aber bei dieser Feuchtigkeit und teilweise herabfallenden großen Tropfen, reagiert der Touchscreen mit wilden Befehlsausführungen die genauso wirr sind, wie die Wege im Nebel hier.
Das Nebelschauspiel hält nur 20 Minuten an und dann wird es wieder heller – die Hochebene zeigt ihre ganze Weite und Schönheit. Kühe und Pferde grasen auf saftigen Wiesen, etwas weiter unten am Flüsschen rumpelt eine Rotte Wildschweine mit putzigen Frischlingen durchs Gehölz! So schnell kann sich die Szenerie ändern!

Nach weiteren 30 Minuten Marsch durch leichten Regen kommen wir am Refuge de Manganu an.
Eine sehr schöne, idyllisch gelegene Hütte mit wieder sehr nettem Gardien!
Wir buchen einen Biwakplatz und bestellen gleich zwei Pietra dazu. Ob des miesen Wetters trinken wir das – und nicht nur das – halt mal wieder in der dunklen Hütte. Wir stellen uns vor, der Gerstensaft wäre eingefangener Sonnenschein..
Das Zelt können wir etwas später im trockenen aufbauen, unser Abendessen kochen wir aber der Einfachheit halber in der Hütte. Bei leichtem korsischen Rotwein unterhalten wir uns dann noch lange mit anderen Wanderern und spät in der Nacht kriechen auch wir in die Schlafsäcke.